Schwere oder gefährliche Körperverletzung

Nicht nur in Gesprächen, zuweilen auch in der Berichterstattung höre ich von der schweren und der gefährlichen Körperverletzung. Gern werden die beiden Begriffe synonym verwendet oder verwechselt. Tatsächlich gibt es aber Unterschiede. Und diese zu erkennen und zu verstehen ist eigentlich gar nicht so schwer.

Kurz gefasst
  • Die Körperverletzung kann „einfach“ begangen werden (§ 223 StGB) oder „gefährlich“ (§ 224 StGB) oder „schwer“ (§ 226 StGB).
  • Die gefährliche Körperverletzung liegt vor, wenn die Art der Tathandlung gefährlich ist.
  • Die schwere Körperverletzung knüpft dagegen an die Tatfolgen der Handlung an.

Vorweg: Bei den Begriffen der einfachen und der schweren Körperverletzung geht es nicht um die „Schwierigkeit“ der Tat. Während man die „einfache Körperverletzung“ auch als „normale“ verstehen kann, bedeutet „schwer“ also eher schwerwiegend, im Sinne von schlimm oder übel.

Die einfache Körperverletzung

Zunächst lohnt sich, wie immer, ein Blick in das Gesetz. Wir lesen zuerst, was eine einfache Körperverletzung ist:

(1) Wer eine andere Person körperlich mißhandelt oder an der Gesundheit schädigt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.

(2) Der Versuch ist strafbar.

Ziemlich kurz und knapp – und relativ verständlich im Vergleich zu anderen Normen.

Die gefährliche Körperverletzung

Es folgt sogleich die gefährliche Körperverletzung:

(1) Wer die Körperverletzung

1. durch Beibringung von Gift oder anderen gesundheitsschädlichen Stoffen,
2. mittels einer Waffe oder eines anderen gefährlichen Werkzeugs,
3. mittels eines hinterlistigen Überfalls,
4. mit einem anderen Beteiligten gemeinschaftlich oder
5. mittels einer das Leben gefährdenden Behandlung

begeht, wird mit Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu zehn Jahren, in minder schweren Fällen mit Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu fünf Jahren bestraft.
(2) […]

Wem das zu komplex ist, der liest den Absatz 1 einfach so: „Wer die Körperverletzung mit bestimmten Mitteln oder Methoden begeht, wird soundso.“ Entscheidend ist hier also, dass an bestimmte Arten die Tat zu begehen ein höherer Strafrahmen angelegt wird. Der Gesetzgeber befürchtet bei diesen Handlungen eine besondere Gefährlichkeit für das Opfer. Es kommt also beispielsweise nicht darauf an, ob die verwendete Waffe schlimmere Verletzungen hervorgerufen hat als etwa die Faust. Es reicht schon, dass eine Waffe verwendet wurde, weil sie als so gefährlich angesehen wird.

Die schwere Körperverletzung

Es fehlt das letzte Puzzleteil für das Verständnis:

(1) Hat die Körperverletzung zur Folge, daß die verletzte Person

1. das Sehvermögen auf einem Auge oder beiden Augen, das Gehör, das Sprechvermögen oder die Fortpflanzungsfähigkeit verliert,
2. ein wichtiges Glied des Körpers verliert oder dauernd nicht mehr gebrauchen kann oder
3. in erheblicher Weise dauernd entstellt wird oder in Siechtum, Lähmung oder geistige Krankheit oder Behinderung verfällt,

so ist die Strafe Freiheitsstrafe von einem Jahr bis zu zehn Jahren.

(2) […]

(3) […]

Jetzt wird der Unterschied deutlich: Schon der erste Satzteil („hat zur Folge“) macht klar, dass es hier nicht mehr nur um die Gefährlichkeit der Tatausführung geht, sondern um die Folgen der Tat.

Verhältnis zueinander

Weder setzen § 224 und § 226 StGB einander voraus noch schließen sie sich gegenseitig aus. Ob der § 226 StGB etwa die Strafbarkeit aus § 224 StGB verdrängt, hängt von den genauen Tatumständen ab.

Das sagst du dazu: